Gesundheit
Fibromyalgie ist eine (weichteil-) rheumatische Erkrankung, die sich insbesondere durch Schmerzen in den Sehnenansätzen oder Muskelschmerzen am ganzen Körper äußert. Sogenannte Schmerzdruckpunkte (auch Tender Points) weisen bei den Betroffenen eine deutlich erhöhte Schmerzempfindlichkeit auf. Da hinter dem Fibromyalgiesyndrom keine Entzündung steckt, helfen gängige, entzündungshemmende Schmerzmittel oft kaum. Doch was steckt dahinter?
Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie „Faser-Muskel-Schmerz“ (fibro: Faser, my: Muskel, algie: Schmerz; Myalgie: Muskelschmerzen) und deutet damit schon auf die wesentlichen Fibromyalgie-Symptome hin. Der medizinisch korrekte Name für die Erkrankung lautet „Fibromyalgie-Syndrom“. Der Zusatz „Syndrom“ signalisiert, dass für Fibromyalgie nicht nur eine Ursache, sondern eine Vielzahl von Krankheitsursachen verantwortlich sein können. Dazu gehören beispielsweise neben schweren und lang anhaltenden, physischen oder psychischen Überlastungen auch andere Erkrankungen wie die rheumatische Arthritis.
Neben den Schmerzen am ganzen Körper treten bei der Krankheit Fibromyalgie auch Symptome wie Schlafstörungen, Müdigkeit, Leistungsschwäche und Erschöpfung auf. Weiterhin können Betroffene des Fibromyalgiesyndroms unter zahlreichen weiteren Beschwerden außerhalb des Bewegungsapparates leiden, die jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich sind. Schätzungsweise leiden 0,6 bis vier Prozent der Bevölkerung an Fibromyalgie – die große Mehrheit bilden Frauen (zu 85 bis 90 Prozent). Die meisten Betroffenen werden im mittleren Lebensabschnitt (35 bis 55 Jahre) vom Fibromyalgiesyndrom befallen. Da die Entwicklung von einem Symptom bis zur vollständigen Ausbildung der Krankheit mehrere Jahre dauern kann, erfolgt bei Fibromyalgie eine sichere Diagnose oftmals erst nach langer Zeit.
Maßgebend bei der Auswahl der Therapiemethode sind die individuellen Symptome des Betroffenen. Meist setzt sich die Fibromyalgie-Therapie aus physikalischen, psychotherapeutischen und medikamentösen Behandlungsmethoden sowie Bewegung zusammen. Bei der medikamentösen Behandlung von Fibromyalgie ist allerdings zu beachten, dass klassische Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Paracetamol oft kaum wirken. Der Hintergrund ist, dass diese Schmerzmittel Entzündungen bekämpfen, die allerdings nicht die Ursache von Fibromyalgie sind.
Nach heutigem Wissensstand lassen sich weder eindeutige Fibromyalgie-Ursachen festlegen, noch sind die konkreten Mechanismen des Syndroms bekannt. Offensichtlich sind unterschiedliche Faktoren an der Entstehung von Fibromyalgie beteiligt. Vorwiegend diskutieren Spezialisten für Fibromyalgie eine gestörte Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem.
Als Risikofaktoren für Fibromyalgie gelten:
Manche Mediziner legen Wert auf die Unterscheidung zwischen der primären und der sekundären Fibromyalgie. Dabei bezeichnet der Begriff „sekundäre Fibromyalgie“ eine Form des Syndroms, die durch eine andere Ursache ausgelöst wurde. Dazu gehören beispielsweise chronische Polyarthritis, Skoliose, ein Bandscheibenvorfall und andere Wirbelsäulenleiden, hormonelle Störungen oder Viruserkrankungen. Im Gegensatz dazu findet sich in dieser Unterteilung bei der primären Fibromyalgie keine auslösende Vorerkrankung.
Als chronische Schmerzerkrankung macht sich die Fibromyalgie hauptsächlich durch Schmerzen an den Sehnenansätzen und durch Muskelschmerzen am ganzen Körper bemerkbar. Von diesen Schmerzen sind neben den Gelenken in den Armen und Beinen vor allem auch der Rumpf mit Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen betroffen. Die Schmerzen beschreiben die Patienten meist als brennend, dumpf, großflächig sowie fließend. Manchmal lässt sich der Ort des Schmerzes nicht genau lokalisieren. Außerdem berichten Betroffene von einer diffusen Schwellung der schmerzhaften Weichteile.
Zu den weiteren Hauptsymptomen gehören chronische Müdigkeit, die mit Schlafstörungen einhergeht und folglich auch Schwäche, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung mit sich zieht. Zum Symptomkomplex der Fibromylagie kann auch eine Depression bzw. depressive Verstimmung bei den Patienten auftreten.
Die Fibromyalgie-Schmerzen können bei jedem Betroffenen in unterschiedlicher Intensität mehr oder weniger ausgeprägt sein. Zudem wurde eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht und Kälte bei vielen Fibromyalgie-Patienten nachgewiesen.
Die Tender Points befinden sich am Nacken, am Rücken, an den Schultern, Hüften sowie den Armen.
Als weitere kennzeichnende Symptome bei Fibromyalgie gelten 18 typische Druckpunkte, so genannte Tender Points. Sie befinden sich am Übergang von Muskeln zu Sehnen und weisen eine wesentlich höhere Schmerzempfindlichkeit gegenüber Druck auf. Da Betroffene allerdings an individuellen Beschwerdekomplexen leiden, fällt auch einem Facharzt für Fibromyalgie eine Diagnose nicht ganz leicht. Denn: Einen einfachen Fibromyalgie-Test gibt es nicht.
Viele Betroffene haben eine regelrechte Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis das Syndrom tatsächlich bei ihnen diagnostiziert wird. Im schlimmsten Fall werden die Beschwerden einfach nicht ernst genommen und die Betroffenen als Simulanten oder übersensibel angesehen. Teilweise beläuft sich eine Diagnose fälschlicherweise nur auf einen Teilaspekt der Fibromyalgie oder wird als psychisches Leiden missverstanden. Das liegt vor allem daran, dass es bislang keine eindeutigen organischen Befunde bzw. typischen Laborwerte für das Fibromyalgiesyndrom gibt.
Untersuchungen von Forschern der Universität Würzburg konnten zwar Veränderungen im Bereich der kleinen Nervenfasern im Muskelgewebe von Fibromyalgie-Patienten nachweisen. Allerdings ist noch unklar, ob sich diese Befunde tatsächlich auch auf alle Betroffenen des Syndroms übertragen lassen.
Besonderes Augenmerk wird bei Verdacht auf Fibromyalgie auf die so genannten Tender Points gerichtet. Darunter verstehen Mediziner 18 verschiedene Druckschmerzpunkte, die bei Fibromyalgie-Patienten eine besonders hohe Druck- und Schmerzempfindlichkeit aufweisen. Diese Punkte befinden sich vor allem an bestimmten Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen und sind über den ganzen Körper verteilt.
Druckschmerzpunkte können sich an folgenden Körperstellen befinden:
Was hilft bei Fibromyalgie? Da die genauen Ursachen und Krankheitsmechanismen noch nicht geklärt sind, setzt die Fibromyalgie-Therapie hauptsächlich an der Linderung und Bekämpfung der von Patient zu Patient individuellen Symptome an.
Je nach Schwere der Erkrankung oder Begleiterkrankungen macht u. a. eine Kombination aus mehreren Therapiemethoden Sinn, die auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten ist. Dazu gehören beispielsweise:
Ein besonderes Augenmerk liegt bei der Fibromyalgie-Therapie auf Bewegungsübungen. Die meisten Betroffenen geben nach Bewegung eine Besserung ihrer Symptome an, manche allerdings berichten auch von verstärkten Schmerzen nach der Krankengymnastik.
Mithilfe eines Physio- bzw. Psychotherapeuten kann der Betroffene lernen, sich gezielt körperlich und/oder seelisch zu entspannen. Dabei kommen beispielsweise Methoden wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung zum Einsatz.
Da sich die Fibromyalgie oftmals auch auf die Psyche niederschlägt, können Betroffene einen Psychologen oder ärztlichen Psychotherapeuten aufsuchen. Die Spezialisten können dabei helfen, die Spirale aus Überforderung und verminderter Leistungsfähigkeit zu durchbrechen.
Mit der richtigen Anwendung können bestimmte Präparate eine Erleichterung der Fibromyalgie-Symptome bedeuten. Obwohl Fibromyalgie als chronische Schmerzkrankheit gilt, wird die Einnahme gängiger Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol beim Fibromyalgiesyndrom nicht empfohlen. Die Präparate wirken entzündungshemmend – Fibromyalgie liegen allerdings keine entzündlichen Vorgänge zugrunde.
Im Bereich der physikalischen Fibromyalgie-Therapie bietet sich den Betroffenen eine Vielzahl an Angeboten. Grundsätzlich empfiehlt sich bei Erkrankungen, die
Wärmetherapie
Die Wärmetherapie fördert eine verstärkte Durchblutung der Muskulatur und der Haut, sodass die Sauerstoff- und Energiezufuhr sowie der Abbau von Stoffwechselprodukten und schmerzauslösenden Substanzen zunehmen. Auch die Schlafqualität von Fibromyalgie-Patienten soll dank der Wärmetherapie verbessert werden.
Kältetherapie
Lange galt die Kältetherapie als ungeeignet bei Fibromyalgie, da viele Patienten gerade Kälte als Ursache ihrer Beschwerden empfinden. Neue Untersuchungen zeigen, dass bei einigen Patienten mit Fibromyalgie eine intensive Behandlung mit Kälte ähnliche Vorteile bringt wie die Wärmetherapie. Dabei kommen Kältekammern zum Einsatz, deren Temperatur zwischen minus 60° und 110° liegt.
Neben diesen üblichen Therapien bei Fibromyalgie, gibt es auch zahlreiche alternative Behandlungsmöglichkeiten für das Syndrom. Manche Betroffene berichten von guten Erfahrungen mit Akupunktur, andere mit Lichttherapie, Reflexzonenmassage oder Akupressur. Außerdem finden Patienten auch Linderung ihrer Symptome bei Fibromyalgie mithilfe von Homöopathie.
Der behandelnde Arzt oder Therapeut sollte in regelmäßigen Kontrolluntersuchungen abklären, ob die gewählten Behandlungsmethoden noch anschlagen oder mögliche Nebenwirkungen der Therapie bestehen.